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Projektbeschreibung

Winterling-Areal Schwarzenbach a.d. Saale


Im Forschungsprojekt InEs soll ein innovatives Energieversorgungssystem für ein gewerbliches Quartier im nordbayerischen Oberfranken geplant werden. Am Standort der früheren Porzellanfabrik Winterling in Schwarzenbach a.d. Saale wird für das gKU Winterling Immobilien in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Firmen STELLA KERAMIK und Lallemand-DHW ein vernetztes Konzept durch gemeinsame Wärme- und Speichernutzung erstellt. Für das Winterling-Areal mit sechs Hektar Gesamtfläche und einem großen Fabrikkomplex sowie mehreren Nebengebäuden mit mehr als 40.000 m² Bruttogeschoßfläche gibt es bereits eine städtebauliche Master- und Entwicklungsplanung. Wunsch der Stadt Schwarzenbach a.d. Saale ist es, die Weiternutzung des Altindustrieareals zu ermöglichen und so einen großen Flächenverbrauch durch einen Neubau „auf der grünen Wiese“ zu vermeiden. Die Umbauarbeiten laufen bereits seit einigen Monaten, was den Teilabriss und Neubau von Gebäudeteilen einschließt. Aktuell ist ein Großteil der Geschossflächen bereits an Gewerbefirmen wie z. B. einen Hersteller von LED-Straßen­beleuchtung, eine Schreinerei, einen Spieleversand sowie einen Hersteller von Fingerboards vermietet. Nach der erfolgreichen Sanierung der Industriebrache können das gesamte Hauptgebäude sowie auch die aktuell teilweise noch nicht genutzten Nebengebäude vermietet werden.


Demonstrationsprojekt


Der Standort eignet sich ideal für ein Demonstrationsprojekt, da der Umbauprozess erst gestartet hat und die Weichen für ein innovatives Energiesystem jetzt gestellt werden können. Ziel des Projekts ist es, hohe erneuerbare Anteile durch Sektorkopplung und Integration von thermischen und elektrischen Speichertechnologien in diesem Gewerbeareal zu erreichen und dabei die Energiewende im Wärmebereich in den Fokus zu nehmen. Die Reduktion des Primärenergieverbrauchs hat hierbei oberste Priorität. Darüber hinaus soll untersucht werden, ob und welche Dienstleistungen durch das Areal für das Stromnetz erbracht werden können. Positiv hervorzuheben ist, dass das Areal über Transformatoren direkt an die Mittelspannungebene angeschlossen ist, welche von einem der assoziierten Projektpartner, der Umwelttechnik Schwarzenbach (UTS) GmbH, betrieben wird. Das Niederspannungsnetz auf dem Winterling-Areal, was momentan nur hausintern im Hauptgebäude des Areals verlegt ist, soll als Kundenanlage von gKU Winterling Immobilien betrieben werden und kann als Experimentierraum für Forschungsansätze dienen, soweit dies eine zuverlässige Stromversorgung der Gewerbemieter nicht beeinträchtigt. Zwei BHKWs und eine ORC-Anlage befinden sich bereits ebenfalls innerhalb des Niederspannungsnetzes des Areals.


Kooperation mit ortsansässigen Industriebetrieben


Neben weiteren Projektpartnern findet eine Beteiligung dreier ortsansässiger Industriebetriebe in direkter Nähe statt. Diese sollen, wo sinnvoll, in das entstehende Energiesystem eingebunden werden. Es handelt sich zum einen um die Firma DELSANA GmbH & Co. KG, die Mieter im Winterling-Areal ist und Lichtsysteme auf Basis von LED-Technik herstellt. Zum anderen geht es um die Firma STELLA KERAMIK GmbH, ein Hersteller von Keramik-Schleifkörpern. Sie liegt ebenfalls in der Kirchenlamitzer Straße auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Areals. Das dritte Unternehmen, die Firma Lallemand-DHW GmbH mit ihrer Zweigniederlassung an der Saale, produziert Backhefe und ist in 300 Meter Entfernung angesiedelt.
Ausgangspunkt des Projekts sind neben der Sanierung des Areals die Strom- und Wärmeerzeugung in zwei BHKWs inklusive einer angeschlossenen ORC-Anlage. Die BHKWs werden mit Biogas betrieben, welches in einem innovativen Prozess bei der Abwasseraufbereitung der Hefefabrik Lallemand-DHW entsteht. Dieser Prozess ist in der dort angewandten Form in Deutschland einzigartig. Betreiber der Anlagen ist die UTS GmbH, ein Unternehmen der Stadt Schwarzenbach. Das Winterling-Areal ist mit den Firmen STELLA KERAMIK und Lallemand-DHW bereits in unterschiedlicher Weise vernetzt: Eine Biogasleitung verbindet die genannte Biogasanlage mit der Energiezentrale des Winterling-Areals. Auch wenn die Firma UTS für den Zwischenschritt der Gaserzeugung und den BHKW- bzw. ORC-Betrieb zuständig ist, so kommt doch das Produkt des Abwassers der Firma Lallemand-DHW, nämlich das Biogas, über den Umweg der BHKW- bzw. ORC-Abwärme für die Gewerbemieter des Winterling-Areals für Heizzwecke zum Einsatz. Die Firma STELLA KERAMIK wiederum betreibt eine Photovoltaik-Freiflächenanlage im Süden des Winterling-Geländes auf einem Grundstück, das früher Teil des Winterling-Betriebs war. Zudem gehörte das heutige Firmengebäude der Firma STELLA KERAMIK bis in die 80er Jahre dem Schleifkörperhersteller Fa. Winterling Keramik. Die schon bestehende Verknüpfung der Unternehmen mit dem Areal soll durch das vorliegende Projekt noch verstärkt werden.



Erneuerbare Energien & Co.


Ergänzend zu den genannten Komponenten soll Photovoltaik- und Windstrom zum einen physisch, zum anderen aber auch virtuell im Quartier integriert werden. Zusätzlich sollen weitere Aspekte wie moderne Mobilität (E-Autos, E-Bikes und Scooter) für die Region und rechtliche Rahmenbedingungen für die Vernetzung unterschiedlicher Partner bearbeitet werden. Darüber hinaus wird geprüft, ob bestehende oder neu zu bauende Wohngebiete in der Nähe mit Abwärme aus dem Areal versorgt werden könnten. Auch eine vergleichende Ökobilanz zwischen Weiterbetrieb des sanierten Gebäudebestands und alternativem Neubau des Gewerbeareals „auf der grünen Wiese“ wird im Projekt genauer untersucht.

Förderung des Projektes


Das zweijährige Forschungsprojekt wird im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Förderbereich „Wärmeeffizienz für Quartiere“ gefördert. Es handelt sich um ein Verbundprojekt mit mehreren Verbundpartnern, assoziierten Partnern und Unterauftragnehmern und trägt das Förderkennzeichen 03EN3037A-D. Die Projektsumme liegt bei knapp 2 Millionen €. Das Verbundvorhaben wird vom Projektträger Jülich betreut. Das Vorhaben dreht sich um die Planung des Energieversorgungskonzepts für das Areal, die Umsetzung soll in einem zweiten Projekt erfolgen. In einem dritten Projekt könnte sich noch eine Monitoring-Phase anschließen, um die Komponenten und Systeme über einen längeren Zeitraum zu überwachen und zu optimieren.